Vergewaltigung/sexuelle Nötigung

Bei einer Vergewaltigung oder einer sexuellen Nötigung wird eine Person zum Geschlechtsverkehr oder zu anderen sexuellen Handlungen gezwungen. Dies bedeutet eine massive Verletzung der Selbstbestimmung.

Jeder Mensch hat das Recht darauf, dass die eigenen körperlichen Grenzen geachtet werden. Jede Berührung gegen den Willen einer Person ist nicht in Ordnung, insbesondere jede sexuelle Berührung oder Handlung. Es gibt auch Vergewaltigungen in der Ehe oder Partnerschaft. Wenn ein „Nein“ im Laufe eines zunächst einverständlichen Sexualkontaktes nicht respektiert wird, handelt es sich auch um eine Vergewaltigung. Der Täter/die Täterin kann eine Person aus dem Bekannten- oder Verwandtenkreis der betroffenen Person sein, der (Ex-)Partner oder die (Ex-)Partnerin, oder auch ein Fremder. Überwiegend sind Frauen von Vergewaltigungen betroffen, jedoch können auch Männer Opfer werden. Weltweit sind dies laut Studien etwa 3%.

Unmittelbar nach einer Vergewaltigung oder einem sexuellen Übergriff kommt es sehr häufig vor, dass sich Betroffene wie „betäubt“ fühlen, unter Angst, Verwirrung und körperlichen Symptomen wie hoher innerer Unruhe, Muskelverspannungen, hohem Puls oder Schreckhaftigkeit leiden. Nicht selten sind außerdem Stimmungsschwankungen mit leichter Reizbarkeit, Traurigkeit sowie Wut. Viele Betroffene berichten Gefühle von Wertlosigkeit sowie Scham- und Schuldgefühle.

Auch wenn die Vergewaltigung schon Jahre zurückliegt, ist es möglich, dass Betroffene noch heute unter den Folgen leiden. Depressionen, Ängste, körperliche Schmerzen, Schlafstörungen, Selbstverletzungen, Partnerschaftsprobleme, sexuelle Probleme sind Beispiele für mögliche längerfristige Auswirkungen. Um mit dem Erlebten zurecht zu kommen, nehmen manche Betroffene Alkohol/Drogen oder verletzen sich selbst, wobei diese „Strategien“ immer nur kurzfristig helfen. Langfristig bleibt die Belastung bestehen.

Oft passiert es, dass die Erlebnisse in Albträumen und mit allen Gefühlen wiedererlebt werden. Manche Betroffene erleben auch viele Jahre später noch, dass sie im Alltag bei seelischer Überlastung von den Erinnerungen überflutet werden und wie „neben sich stehen“.

Unser Beratungsangebot: In unserer psychologischen Beratung können Sie über das Erlebte und die Folgen sprechen. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre eigenen Reaktionen zu verstehen, eine erste Stabilisierung zu erreichen und eine Orientierung zu bekommen, welche Art von Hilfe Sie brauchen.

Über eine professionelle Unterstützung hinaus können einige grundsätzliche Strategien hilfreich sein:

  • Soziale Unterstützung: Wenn es Menschen in Ihrem Umfeld gibt, denen Sie vertrauen, kann es oft entlastend sein, sich mit dem Erlebten mitzuteilen, um Unterstützung zu erfahren.

  • Eigene Grenzen wahrnehmen und achten: Eine Vergewaltigung bedeutet eine massive Grenzverletzung. Umso wichtiger ist, dass Sie danach im Miteinander mit Anderen auf Ihre Grenzen achten (z.B. bei Körperkontakt, in Gesprächen) und diese ernst nehmen, egal, wie Andere dies beurteilen. Auch müssen Sie nicht über das Geschehene sprechen, wenn Sie dies nicht möchten.

  • Vergegenwärtigung des „Hier und Jetzt“: Nach einem sexuellen Übergriff passiert es schnell, dass man das Geschehene emotional und körperlich „wiedererlebt“. In diesem Fall kann es hilfreich sein, sich zu vergegenwärtigen, dass die erlebte Situation vorbei ist und Sie im „Hier und Jetzt“ sicher sind.

  • Innerer Abstand: Ablenkungsstrategien, Aktivitäten, Sport/Bewegung oder Atemübungen können hilfreich sein, um sich kurzfristig vom Geschehenen zu distanzieren

Manchmal ist das Ausmaß der Belastung so groß, dass eine längerfristige Psychotherapie bzw. Traumatherapie Ihnen im Umgang mit dem Erlebten und belastenden Gefühlen helfen kann. In manchen Fällen kann eine Psychotherapie mit traumatherapeutischem Schwerpunkt sinnvoll sein. Wir unterstützen Sie gerne durch Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten.

Für manche Betroffene ist es hilfreich, im Sinne einer juristischen Aufarbeitung die Täterin/den Täter anzuzeigen, um in der Verarbeitung des Geschehenen voran zu kommen. In diesem Fall ist es sinnvoll, sich rechtlichen Beistand zu holen.