Sexueller Missbrauch

Sexueller Missbrauch oder sexuelle Gewalt an Kindern ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor Mädchen und Jungen unter 14 Jahren gegen deren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit (z.B. kranke, behinderte oder hilfsbedürftige Menschen) nicht wissentlich zustimmen können. Der Täter/die Täterin nutzt dabei seine/ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen. Auch wenn der Täter/die Täterin das Opfer zwingt, an ihm/ihr sexuelle Handlungen auszuführen, ist das ein sexueller Missbrauch. Schon der Versuch eines Sexualkontaktes mit einem Kind ist strafbar. Handlungen, die unter sexuellen Missbrauch fallen, können sehr vielfältig sein. Sie können von verbalen sexuellen Anspielungen über das Zeigen pornographischer Bilder/Filme bis hin zu sexuellen Handlungen mit oder vor dem Kind reichen.
Auch wenn die sexuellen Übergriffe schon Jahre zurückliegen, ist es möglich, dass Betroffene noch heute unter den Folgen leiden. Beispiele sind Depressionen, Ängste, körperliche Schmerzen, Schlafstörungen, Selbstverletzungen, Partnerschaftsprobleme oder sexuelle Probleme. Um mit dem Erlebten zurecht zu kommen, nehmen manche Betroffene Alkohol/Drogen oder verletzen sich selbst, wobei diese „Strategien“ immer nur kurzfristig helfen. Langfristig bleibt die Belastung bestehen.
Viele berichten Gefühle von Wertlosigkeit sowie Scham- und Schuldgefühle. Oft passiert es, dass die Erlebnisse in Albträumen und mit allen Gefühlen wiedererlebt werden. Manche Betroffene erleben außerdem, dass sie im Alltag bei seelischer Überlastung wie „neben sich stehen“.
Nicht ungewöhnlich ist, dass sich Betroffene erst viel später an belastende Ereignisse erinnern können. Dann führt manches Mal ein unerwarteter Auslöser dazu, dass das Erlebnis in Form von Bildern und Erinnerungen hochkommt und sich erst dann die Beschwerden zeigen.

Unser Beratungsangebot: In unserer psychologischen Beratung können Sie über das Erlebte und die Folgen sprechen. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre eigenen Reaktionen zu verstehen, eine erste Stabilisierung zu erreichen und eine Orientierung zu bekommen, welche Art von Hilfe Sie brauchen

Über eine professionelle Unterstützung hinaus können einige grundsätzliche Strategien hilfreich sein:

  • Soziale Unterstützung: Wenn es Menschen in Ihrem Umfeld gibt, denen Sie vertrauen, kann es oft entlastend sein, sich mit dem Erlebten mitzuteilen, um Unterstützung zu bekommen.
  • Eigene Grenzen wahrnehmen und achten: Ein sexueller Missbrauch bedeutet eine massive Grenzverletzung. Umso wichtiger ist, dass Sie als Erwachsene/r im Miteinander mit Anderen auf Ihre Grenzen (z.B. bei Körperkontakt, in Gesprächen) achten und diese ernst nehmen, egal, wie Andere dies beurteilen.
  • Vergegenwärtigung des „Hier und Jetzt“: Nach einem sexuellen Missbrauch passiert es oft auch erst nach langer Zeit, dass man das Geschehene emotional und körperlich wiedererlebt. In diesem Fall können Gedanken wie „Es ist vorbei“; „Im Hier und Jetzt bin ich sicher“ hilfreich sein.
  • Innerer Abstand: Ablenkungsstrategien, Aktivitäten, Sport/Bewegung oder Atemübungen können hilfreich sein, um sich kurzfristig vom Geschehenen zu distanzieren.

Manchmal ist das Ausmaß der Belastung so groß, dass eine längerfristige Psychotherapie bzw. Traumatherapie Ihnen im Umgang mit dem Erlebten kann. Wir unterstützen Sie gerne durch Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten.

Für manche Betroffene ist es hilfreich, im Sinne einer juristischen Aufarbeitung den Täter/die Täterin anzuzeigen, um in der Verarbeitung des Geschehenen voran zu kommen. Sexueller Missbrauch ist aufgrund der Schwere eines der Delikte, für die lange Verjährungsfristen gelten. Während im Strafrecht üblicherweise die Verjährung mit Ende der Tat beginnt, ist dies bei schweren Sexualstraftaten nach einer Gesetzesänderung im Jahr 2015 erst mit Vollendung des 30. Lebensjahres der Fall. Falls Sie erwägen, die Täterin oder den Täter auch noch nach Jahren anzuzeigen, kann so trotzdem eine Anzeige und ggf. eine Verurteilung möglich sein. In diesem Fall ist es sinnvoll, sich rechtlichen Beistand zu holen.5