Statistik 2017

Wer kommt zu uns?

Im Jahr 2017 suchten insgesamt 893 Ratsuchende erstmals bei uns Rat und Unterstützung, davon waren ca. drei Viertel Frauen und ein Viertel Männer.
In den meisten Fällen sind die Ratsuchenden als Opfer direkt von einer Straftat betroffen (71%), aber auch Angehörige von Betroffenen, Institutionen suchen Unterstützung bei uns.
Die geringe Anzahl an ratsuchenden Zeug*innen ist sicher auch begründet in der hochwertigen Zeugenbetreuung an den Amtsgerichten bzw. am Landgericht. Täter*innen werden von uns direkt an spezielle Beratungsstellen verwiesen.

Beratungsanlässe

Die Beratungsanlässe waren auch in 2017 vielfältig, wobei nach wie vor Gewalt in Ehe und Partnerschaft der Beratungsschwerpunkt in der Opferhilfe ist. Auch der Deliktbereich des sexuellen Missbrauchs ist auf hohem Niveau stabil geblieben. Eine Ursache dafür ist sicher die intensive öffentliche Diskussion über Missbrauchsfälle in kirchlichen und staatlichen Institutionen in den 50er und 60er Jahren und die aktuelle Aufdeckung von Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich. Dies wirkt in vielen Fällen als Trigger, sodass Betroffene zunehmend instabil wurden und sich in einer Krise an uns wendeten. Ratsuchende wenden sich aber auch als Betroffene vieler anderer Straftaten an uns:

Alter der Ratsuchenden

Hauptaltersgruppen sind die 31 - 50jährigen. Die Gruppe der über 60jährigen ist in der Beratungsstelle nur gering vertreten. Die Altersstruktur unserer Klientel entspricht ungefähr der für Gewaltopfer in der polizeilichen Kriminalstatistik.

Zeit zwischen Tat und Anmeldung

Gut die Hälfte (53%) der Ratsuchenden wenden sich innerhalb eines Monats nach der Tat an uns. Dies ist der Bereich der Akutbetroffenen. Bei knapp einem Viertel der Ratsuchenden liegt die Tat schon 10 Jahre oder länger zurück. Hierbei handelt es sich fast immer um erwachsene Betroffene von sexuellen Missbrauch oder Misshandlungen in der Kindheit oder Jugend.
In der Gruppe der Akutbetroffenen stehen die Tat und ihre Folgen sehr im Vordergrund. Oft ist eine Krisenintervention notwendig. Auch wenn die Tat schon länger zurückliegt, ist meist eine krisenhafte Zuspitzung der Lebenssituation Anlass, in die Beratung zu kommen.

Täter-Opfer-Beziehung

In welcher Beziehung Täter und Opfer zueinanderstehen, ist sehr davon abhängig, um welches Delikt es sich handelt. Bei sexuellem Missbrauch handelt es sich beispielsweise in den meisten Fällen (65%) um einen Täter oder eine Täterin aus dem Verwandtenkreis. Während bei Stalking die Täter*innen vor allem Ex-Partner*innen oder Bekannte sind, kommen die Täter*innen bei einer Vergewaltigung aus allen möglichen Kontexten: aus dem (flüchtigen) Bekanntenkreis, sind Unbekannte oder (Ex-) Partner*innen.

Täter-Opfer-Beziehung bei Beziehungsgewalt

Täter-Opfer-Beziehung bei Stalking

Täter-Opfer-Beziehung bei Vergewaltigung

Anzeigenerstattung

45% der Ratsuchenden, von denen uns Angaben vorlagen, hatten die Tat angezeigt. Auch wir können den in der Literatur oft angeführten Zusammenhang zur Täterbeziehung bestätigen: Je enger die Beziehung zwischen Täter und Opfer ist, desto geringer ist die Anzeigenbereitschaft des Opfers. Menschen, die zu uns kommen, sind eher dem statistischen Dunkelfeld zuzurechnen. Sie scheuen den Kontakt zu Polizei oder Justiz, weil sie von dort keine Lösung ihrer Konflikte erwarten.